In der Nacht vom Montag, dem 20.07.2015, auf den Dienstag gab es einen Angriff auf die Asylbewerber_innen-Unterkunft in Reckenfeld. Es wurde eine Flasche auf das Gebäude geworfen, woraufhin die äußere Scheibe eines Fensters zersplitterte. Dies geschah nur kurz nachdem am Freitag außerplanmäßig zwei Frauen einquartiert wurden. Aufgrund der Vermutung einer politisch motivierten Tat wurde der Fall bereits an den Staatsschutz in Münster weitergegeben. Tatverdächtige gibt es bisher nicht.
Dass es in Reckenfeld trotz der kaum mehr vorhandenen Naziaktivitäten durchaus weiterhin rassistisches Potenzial gibt und gab, zeigte sich auch wieder im November letzten Jahres. Nach der Ankündigung, dass die alte Hauptschule in Zukunft als Unterkunft für Geflüchtete verwendet werden soll, gab es in der Facebook-Gruppe „Wir sind Reckenfeld“ Diskussionen, bei denen einige Reckenfelder*innen ihren eindeutigen Rassismus mit Kommentaren wie „Wo ist der weiße Hai, wenn man ihn braucht?!“ oder „Türen zu und Feuer legen.“ zum Ausdruck brachten.
Kurz darauf wurde eine Facebook-Gruppe gegen die geplante Unterkunft gegründet. Dies geschah allerdings nicht durch Reckenfelder*innen, sondern durch den zu dem Zeitpunkt in Münster lebenden Dominik Brand. Auch die recht wenigen Mitglieder der Gruppe schienen großteilig nicht in Reckenfeld zu leben. Weiterhin versuchte Brand, eine rassistische Kundgebung in Reckenfeld zu organisieren, welche allerdings an der Mobilisierung scheiterte. Wenig später waren die Gruppe sowie die Veranstaltung für die Kundgebung in Facebook gelöscht. Auch die NPD des Kreis Steinfurt versuchte die Stimmung für sich zu nutzen und verteilte im November Flugblätter in Reckenfeld, die sich gegen die Unterkunft für Geflüchtete richteten.
In den letzten paar Wochen sind zudem rechte Sprüh-Aktivitäten aufgefallen. Zahlreich wurden vorhandene Graffiti mit Aufschriften wie „No Nazis“, „Refugees welcome!“ oder „No Heart for a Nation“ übersprüht. Die immer gleichen Farben und das immer ähnliche Maß an Inkompetenz bei diesen Aktionen lassen darauf schließen, dass es sich dort um die immer selbe Person oder Gruppe handelt.
Die zwei Frauen, die sich zur Zeit des Angriffs in der Unterkunft befanden, sind vorerst ausgezogen, aber wollen wieder einziehen. Und mit ihnen werden im Zuge der planmäßigen Belegung der Asylunterkunft, die Platz für 70 Menschen bieten soll, weitere Geflüchtete einziehen. Dies soll bereits nächste Woche beginnen. Die Stadt Greven will zukünftigen Attacken entgegenwirken, indem sie die Überwachungsanlage erweitert (Die WN berichtete). Dies ist für uns absolut keine Lösung; eine repressive Überwachungskamera kann zwar vielleicht verhindern, dass weitere Flaschen auf die Schule fliegen, das ursächliche Problem hier heißt aber Rassismus, welcher sich leider nicht durch Kameras beheben lässt.
Flucht ist kein Verbrechen! Refugees Welcome!
Weitere Texte der Antifaschistischen Linken Münster und des Bündnisses gegen Abschiebungen Münster hierzu findet ihr durch die Links.